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Zum Geburtstag: Die Eintracht-Matrix
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Wenn Sie am heutigen Montag, 8. März 2010, einen Moment Zeit haben, dann kommen Sie doch um 19.30 Uhr ins Museum und schauen sich den Film „Träume in Schwarz und Weiß“ an. Wir würden uns freuen und wir zeigen Ihnen neben der Geschichte des Vereins sogar noch, dass die Eintracht auch schon in internationalen Spielfilmen und in Aktenzeichen XY eine Rolle gespielt hat.
FfmMainansicht.jpgAnsonsten machen Sie sich heute abend einfach eine Flasche Sekt auf und stoßen auf die Eintracht an. Denn dann ist es genau 40.502 Tage her, dass sich 15 Frankfurter Sportler im Bahnhofsviertel in einer Kneipe zusammen gesetzt haben und einen Verein gründeten. So richtig offiziell mit Gründungsprotokoll und Aufgabenverteilung. Zwar schlichen sich in das Protokoll auch Rechtschreibfehler, aber das „H“ im ClubnaHmen“ haben die Gründerväter der Eintracht noch rechtzeitig bemerkt und ausgestrichen. Die Vereinsfarben jedenfalls wurde festgelegt: „schwarz, weiß, rot“, gespielt wurde fortan in „roten Blousen, weißem Gürtel und schwarzer Hose“. Der Monatsbeitrag betrug 1,00 Mark, Schüler zahlten nur fünfzig Pfennig. Und der Name des Clubs war Victoria, der Name „Eintracht“ sollte erst gut 20 Jahre später folgen. Wenn unsere Gründerväter den neuen Verein an jenem Mittwoch, den 8. März 1899 mit einigen Bieren begossen haben, werden sie am nächsten Tag die Nachwehen des Abends nicht mit Aspirin bekämpft haben. Das Medikament wurde von der Bayer AG nämlich erst am Vorabend der Gründung als Markenzeichen eingetragen. Mehr als 5.791 Wochen ist das heute alles her, am Montag abend sind es ziemlich genau 973.008 Stunden bzw. 58.380.480 Minuten. Mehr als 58 Millionen Minuten – ein Wimpernschlag in der Zeitgeschichte, aber doch 1,5 Menschenlebenlängen.
Fu__ballspieler_auf_Victoriaplatz.jpgUnd was haben Spieler, Anhänger, Offizielle und Fans mit Ihrer Eintracht in den letzten 111 Jahren alles erlebt. Es gibt Tage, an die erinnern sich alle mit großer Freude. Das Pokalspiel gegen Schalke damals 25. Oktober 2005 bleibt sicher für Generationen von Eintrachtfans unvergessen. Ein sensationelles 6:0, Zauberfußball mit Traumtoren. Damals war die Teenie-Band Tokio Hotel mit Ihrem Album „Schrei“ auf Platz Eins der LP-Charts, im Waldstadion tobte der Adler und wir freuten uns gemeinsam auf das bevorstehende Achtelfinale, ohne zu ahnen, das diese Pokalsaison für die Eintracht in Europa enden sollte. Wenn man sich an Schalke erinnert, dann erinnert man sich aber auch an jenen 4. Mai 1996: 0:3 hieß es damals gegen die Knappen und die Eintracht musste erstmals den bitteren Gang in die Zweite Liga antreten. Ablenken konnte man sich damals vielleicht mit dem neuen Zeichentrickfilm: „Werner – das muss Kesseln!!!“, der ab Juni 1996 in den Kinos lief.
gesamtansicht_riederwald.jpgÄltere Eintrachtfans werden sich daran erinnern, dass der Eintracht der Gang in die Zweite Liga 1971 erspart geblieben ist. Damals sicherten sich die Adlerträger den Klassenerhalt am 33. Spieltag bei den Offenbacher Kickers. Nach einem Traumtor von Bernd Nickel in der 17. Minute sorgte Bernd Hölzenbein in der 62. Minute für die Entscheidung – mit einem Übersteiger, wie er sich vor kurzem im Museum erinnert hat. Wann war das genau? Am 29. Mai 1971: 29. Mai? Da denken Eintrachtler natürlich an den 29. Mai 1999, als Jan-Aage Fjortoft sich mit seinem Übersteiger gegen Kaiserslautern in Frankfurt unsterblich machte. „Die Möglichkeit, dass Nürnberg absteigt, ist so groß wie ein Sechser im Lotto“ formulierte die Bild-Zeitung damals die Aussichten des 1. FCN vor Spielbeginn. Um 17.16 Uhr war Frankfurt dank Fjortoft in Liga Eins, Nürnberg hatte seinen Lotto-Sechser und stieg ab in Liga Zwei. Nürnberg? Da war doch auch was, damals in den „Jugendjahren“ unserer Eintracht. Richtig: Am 12. Juni 1932 spielte die Eintracht erstmals im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft, Gegner war damals der FC Bayern München. Wir waren der Favorit, aber mit Bernhard Kellerhoff mussten wir verletzungsbedingt auf einen Leistungsträger verzichten. Ging schief, Ossi Rohr, der Onkel vom in Frankfurt noch gut bekannten Gernot Rohr, drosch uns in der ersten Halbzeit einen Elfer rein, der auf dem Platz im wahrsten Sinne des Wortes mächtig viel Staub aufwirbelte. In der zweiten Halbzeit setzten die Bayern noch einen drauf und sicherten sich Ihre erste Meisterschaft. Ossi Rohr hat die Schuhe, mit denen er gegen die Eintracht traf, übrigens aufgehoben, sie sind immer mal wieder in Ausstellungen zu sehen. Ein Künstler hat die Elfmeterszene sogar in Öl gemalt, das Bild wollten wir aber aus verständlichen Gründen in der Ausstellung waldstadion.jpg„Fußballkünstler“ nicht zeigen. Den Titel 1932 vergeigt, was solls, 9.877 Tage später nahm die Eintracht fürchterliche Rache. Am 28. Juni 1959 besiegte die unvergessene Mannschaft von Paul Osswald den Lokalrivalen aus Offenbach im Berliner Olympiastadion mit 5:3. In Frankfurter Kinos lief derweil „Der Schatz des Gehängten“ mit Robert Taylor, im Kino in der Kaiserstraße „Sklavin der Südsee“, was die Menschen an diesem schönen Sonntag aber kaum interessierte: In einigen Kinos gab es Public-Viewing, was damals noch nicht so hieß, die Fans aber schon begeisterte. 2-300.000 begeisterte Fans feierten die Eintracht nach der Rückkehr als Deutscher Meister in der Heimat. Meister? Da bleibt in der Erinnerung natürlich noch Rostock. Aber die ganzen „hätte“, „wenn“ und „aber“ sollten Sie am 8. März 2010 bei dem guten Glas Sekt bitte gar nicht überdenken. Wenn Sie regelmäßiger Zuschauer der „Lindenstraße“ sind, haben wir eine schöne Geschichte für Sie. Diejenigen, die traumatisiert und enttäuscht aus Rostock zurückkamen und sonntags abends um 18.40 Uhr trotz des Erlebten nicht auf die Lindenstraße verzichten wollten, bekamen Sensationelles zu sehen: Am 17. Mai 1992, einen Tag nach dem Rostock-Trauma, küsste der bekennende Fußballfan Erich Schiller erstmals die von ihm verehrte Helga „Mutter“ Beimer. Daraus wurde eine lange Fernsehbeziehung, in der es heute aber etwas kriselt. Schiller? Der hätte uns noch einen Strich durch die Rechnung machen können. Denn 1899 gab es in Frankfurt natürlich auch ein Schauspielhaus. Und da gab es am Abend des 8. März 1899 einige Vorführungen, die um 19.00 Uhr starteten. Wir sind jedenfalls froh, dass die 15 Getreuen damals nicht beschlossen haben, sich am Abend Schiller anzuschauen, sondern einen Club zu gründen. Ein Dankeschön von ganzem Herzen ist das auf alle Fälle wert: Vielen Dank Ludwig Heil, Albert Reik, Albert Gerhardt, Carl Kaufmann, Gustav Diebold, F. Müller, E. Lichtenberg, W. Riese, Carl Hefslöth, Carl Troliet, W. Seubert, H. Schmidt, H. Schnug, Emil Müller und Albert Pohlenk. Sie haben letztlich dafür gesorgt, dass wir in den vergangenen 111 Jahren viele emotionale Momente erleben durften. Die Siege, Unentschieden und Niederlagen lassen sich in der Eintracht-Matrix bildlich darstellen. Die vielen Geschichten rund um diese Zahlen passen gar nicht alle auf Papier. Aber die werden von den Akteuren und den Anhängern weitergegeben und machen das aus, was uns am Geburtstag stolz macht: Eintracht.

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