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Vor 80 Jahren: Im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft
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Heute vor 80 Jahren war in Frankfurt ein Fußball-Feiertag. Die Eintracht stand erstmals im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft. Zahlreiche Fans begleiteten die Adlerträger zum Endspiel nach Nürnberg. Doch am Ende des Tages gab es auf Frankfurter Seite keine große Party. Mit 0:2 unterlag die Eintracht den Münchner Bayern, die zum ersten Mal die Viktoria, den Siegerpreis für den Deutschen Meister, in Empfang nehmen konnten. 

eintracht32.jpgIm Frühjahr 1932 hatte sich die Eintracht für das Endspiel um die Süddeutsche Meisterschaft gegen den FC Bayern München qualifiziert. 50.000 Zuschauer im Stuttgarter Stadion sahen am 1. Mai eine dominante Eintracht, die durch zwei Treffer des Schweizer Nationalspielers Dietrich schnell in Führung ging. Kurz vor Spielende geriet die Partie außer Kontrolle, als nach umstrittenen Schiedsrichterentscheidungen dutzende Bayernanhänger den Platz stürmten und sich dem Unparteiischen mit „erhobenen Stöcken“ näherten, worauf dieser die Partie abbrach. Glaubt man den Zeitungsberichten von Einst, wurden sogar Stühle als „Schlagwaffen“ benutzt.
So musste die Eintracht nach Spielende noch einige Wochen warten, ehe die Mannschaft vom Verband nach zähen Verhandlungen höchstrichterlich zum „Süddeutschen Meister“ erklärt wurde. Zu dieser Zeit träumte man am Riederwald aber längst von höheren Zielen, hatte man sich doch durch die Teilnahme am Endspiel bereits für die „DFB-Meisterrunde“ qualifiziert. Nach einem 6:0 bei Hindenburg Allenstein besiegte die Eintracht im Viertelfinale TeBe Berlin (3:1), im Halbfinale den FC Schalke 04 (2:1) und erreichte erstmals in der Vereinsgeschichte das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft. Dort wartete ein altbekannter Gegner: Der FC Bayern München. Die Bayern hatten sich als Süddeutscher Vizemeister ebenfalls für die Meisterrunde qualifiziert und diese erfolgreich abgeschlossen. Finanziell hatte sich die Teilnahme an der DFB-Meisterrunde für die Riederwälder längst gelohnt, jeder der beteiligten Vereine erhielt vom DFB rund 900 Mark.

Am Finaltag, dem 12. Juni 1932, boten die Straßen zwischen Frankfurt und dem Endspielort Nürnberg ein buntes Bild. Zahlreiche Fans machten sich auf den Weg zum Finale, per Motorrad, Sonderzug oder auf Ladeflächen von Lastwagen. „In den Tagen zuvor haben sich bereits Trupps von Jugendlichen mit dem Rad aufgemacht, um nach Kreuzfahrten durchs Frankenland nach Nürnberg zu kommen“, berichtete die Frankfurter Zeitung. Die besser Betuchten organisierten einen Autokorso vom feinen Cafe Hanselmann, dem Eintrachttreffpunkt an der Alten Oper. Mehr als 100 teilnehmende Kraftfahrzeuge sorgten in der Heimat für Gesprächsstoff. In den Quellen wird oft von 3.000 Eintrachtfans gesprochen, die die SGE nach Nürnberg begleiteten, vermutlich waren es aber sogar 5.000. Fakt ist, dass in der Eintracht-Geschäftsstelle am Riederwald das gesamte zur Verfügung stehende Kontingent von 3.200 Karten verkauft wurde. Und dass sich die Fans gerne auch über andere Kanäle noch Tickets organisieren, wissen wir ja. Die Frankfurter Nachrichten sprachen nach dem großen Finale jedenfalls von 5.000 Frankfurtern. Mannschaft und Offizielle waren bereits am Freitagnachmittag nach Nürnberg gefahren. Eine frühere Anreise an den Spielort kam für die Eintracht nicht in Frage: „Das Spiel ist für uns im Prinzip doch nur eine Wiederholung des süddeutschen Endspiels. Hoffentlich wird es in jeder Beziehung eine Wiederholung. Hoffentlich“, schätzte Eintracht-Schatzmeister Hugo Reiss die Lage ein. Und er versäumte nicht, zu betonen, dass man es für einen Fehler hielte, die Spieler viel früher aus ihrer gewohnten Umgebung und ihrer Berufstätigkeit herauszureißen und sie ein paar Tage an irgend einem stillen Ort sich selbst zu überlassen.

endspiel32.jpgTrotz des 2:0 gegen die Bayern sechs Wochen zuvor war die Eintracht am 12. Juni nicht unbedingt Favorit. Trainer Osswald hatte einige Probleme bei der Mannschaftsaufstellung. Bernhard Kellerhoff war verletzt und konnte nicht spielen. Auch Karl Ehmer, den sie wegen seiner Herkunft aus der Erdbeerhochburg Kronberg nur „die Erdbeer“ nannten, war angeschlagen, wollte aber trotzdem auflaufen.
Bei strahlendem Sonnenschein betraten die beiden Mannschaften um 15 Uhr 55 das Spielfeld. Mit fast 60.000 Zuschauern war das Stadion ausverkauft. Die eigentliche Kapazität des Stadions wurde wegen des großen Interesses an der Partie einfach erhöht, indem man im Innenraum zahlreiche Stühle aufstellte.

Frankfurt begann vielversprechend und spielte überlegen, ohne jedoch zu einem Torerfolg zu kommen. Schnell zeichnete sich ab, dass es ein Fehler war, Ehmer aufzustellen. Der angeschlagene Mittelfeldspieler konnte sich kaum durchsetzen. Aber die Möglichkeit, auszuwechseln, gab es 1932 noch nicht. Nach einer halben Stunde kamen die Bayern besser ins Spiel. Und als in der 34. Minute die Eintrachtabwehr einen Ball nicht rechtzeitig aus dem Strafraum brachte, konnte Stubb nur noch mit der Hand retten. Der Schiedsrichter entschied auf Elfmeter und Ossi Rohr (übrigens der Großonkel des  in Frankfurt noch bekannten Gernot Rohr) verwandelte den fälligen Strafstoß zum 1:0 Halbzeitstand für die Bayern. 
Nach der Pause begann die Eintracht engagiert, aber gegen die dichtgestaffelte Abwehr der Bayern gab es kein Durchkommen. Das kopflose Anrennen verlieh den Bayern die nötige Sicherheit, zudem wurde München vom Publikum lautstark unterstützt. Nach einigen Fouls von Eintrachtlern hatten sich die Zuschauer auf die Münchner Seite geschlagen und feuerten die Bayern an. Die Eintracht dagegen wurde ausgepfiffen und mit dem Schlachtruf „Hi Ha Ho, Eintracht ist K.O.“ bedacht. In der 75. Minute gelang dem Münchner Krumm das 2:0, danach war die Eintracht tatsächlich K.O.
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Natürlich war die Enttäuschung auf Frankfurter Seite nach dem Schlusspfiff groß. Aber als die Mannschaft am folgenden Morgen gen Heimat fuhr, hatten doch alle Spieler ihre gute Laune wiedergefunden. Pfeiffer, Schaller und Kellerhoff lieferten sich eine wilde Kissenschlacht im Zug, Ehmer hatte sich in ein entferntes Abteil zurückgezogen, wo er laut Presseberichten „mit einer reizenden Cronberger Blondine das stille Glück des Verliebtseins genoss“. Der Rest der Truppe verkürzte sich die Fahrtzeit mit Kartenspielen.
In der Heimat wurde die Eintracht trotz der Niederlage begeistert empfangen. Das Team fuhr vom Hauptbahnhof aus im offenen Omnibus durch die Stadt zu einer Feier im Palmengarten. An den Straßenrändern drängten sich tausende Frankfurter und jubelten dem Vizemeister zu. Wohl kaum einer von Ihnen ahnte, dass man in Frankfurt erst 27 Jahre später die erste und bislang einzige Meisterschaft feiern würde. Für den FC Bayern war die Meisterschaft von 1932 der erste nationale Titelgewinn.

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Die Endspielmannschaft vom 12. Juni 1932: V.lks.: Pfeiffer, Kellerhoff, Möbs, Dietrich, Mantel, Gramlich, Ehmer, Schütz, Stubb, Trumpler, Leis, Schaller. Ganz rechts: Trainer Osswald.

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