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Mittwoch, 14. Juni 2017, 18:30 Uhr: Spuren des Sports in Frankfurt "Rundgang zur Niederräder Wassersportgeschichte"
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Niederrad ist als Stadtteil und mit dem Niederräder Ufer einer der prägenden Stadtteile des Frankfurter Wassersports und seiner Geschichte. Bei einem etwa zweistündigen Stadtteilgang erschließt der StadtteilHistoriker Robert Gilcher aus Niederrad diese Geschichte; ein besonderen Schwerpunkt liegt auf der Zeit 1933 – 1945.
 
Der Weg vom Haardtwaldplatz bis zum Niederräder Ufer wirft Schlaglichter auf Personen und Orte des antifaschistischen Widerstands gegen das NS-Regime auf  Zufluchts- und den Wassersportaufbau der jüdischen Sportvereine und deren Protagonisten, z.B. Julius Schick, Inhaber  der 1936 von Fritz Emmerich „arisierten“ Mitteldeutschen Kettenfabrik in der Kelsterbacher Straße 2-6  und  als Vorsitzender des Vereins Bar Kochba Frankfurt einer der wichtigsten Persönlichkeiten im deutsch-jüdischen Fußball während der NS-Zeit.
 
Im Mainfeld wird die Entwicklung des Niederräder Ufers für die Entwicklung des Bootsbaus und des Wassersport erläutert: Die Niederräder Schleuse, die legendäre Schwimmwettbewerbe ermöglichte, die Bootswerft Leux, bei der bis Ende der 1920er Jahre Rennboote, Kanadier, Kajaks und Paddelboote für die sich gerade neu gründenden Wassersportvereine gebaut wurden, von der aber auch größere Schiffe vom Stapel liefen – und auf deren Gelände im Faschismus die Firma Max Gerner mit Einsatz von Zwangsarbeitern Sturmboote für die Wehrmacht produzierte.
 
Am Niederräder Ufer wird an die Geschichte der vielen hier beheimateten Wassersportvereine erinnert:
Der Schwimmclub 04  ist einer der ältesten Schwimmvereine Frankfurts. Nach dem Akademischen Ruderclub Rheno-Franconia 1919 gründete sich 1923 der  Arbeiter-Wassersportverein Niederrad und 1927 der Frauenruderverein „Freiweg“. Nach 1945 kamen die  DRK-Wasserwacht hinzu wie auch der Frankfurter Yachtclub, der 1951 im Bootshaus Maul am Licht- und Luftbad gegründet wurde, die Frankfurter Sport- und Kulturgemeinschaft, der 1956 gegründete Motorboot-Club wie schließlich auch die Wassersportabteilung des Sportvereins Blau-Gelb – dessen Vorläufer, der Postsportverein, bis 1945 sein Bootshaus auf der anderen Mainseite hatte.
 
Der Rundgang endet im Licht- und Luftbad Niederrad, einem der ältesten und beliebtesten Erholungsorte der jüngeren Frankfurter Stadtgeschichte. Das Licht- und Luftbad Niederrad ist aber auch eine der wichtigen Gedenkorte an die Verfolgung und Selbstbehauptung der Frankfurter jüdischen Bevölkerung im Nazi-Faschismus. Eine Bronzetafel des Künstlers Günter Maniewski erinnert daran, dass das Licht-und Luftbad Niederrad  das letzte Sommerbad war, das der jüdischen Bevölkerung von 1936 bis zum vollständigen Verbot nach dem Pogrom 1938 erlaubt war. Die Wassersportler des 1926 vom Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten gegründeten Turn- und Sportverein Schild bauten aus eigener Kraft ein Bootshaus neben dem Strandbad Niederrad für ihre Boote und Angebote auf.

18.30 Uhr, Start: Haardtwaldplatz (Endstation Tram 15), Ausklang im  Licht- und Luftbad Niederrad
 
Referent: Robert Gilcher, StadtteilHistoriker Niederrad

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