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Donnerstag, 17. Mai 2018, 14.30 Uhr direkt vor dem Museum: Stolpersteinverlegung für Dr. Paul Blüthenthal
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Am 17. Mai 2018 wird um 14.30 Uhr direkt vor dem Eintracht Frankfurt Museum ein Stolperstein verlegt. Bei der zehnten Stolpersteinverlegung, die vom Eintracht-Museum organisiert wird, erinnern wir an Dr. Paul Blüthenthal.

Paul Blüthenthal wird am 23. August 1897 in Frankfurt am Main als Sohn der Eheleute David und Bertha Blüthenthal geboren, die Familie lebt in der Leerbachstraße 10. Paul besucht ab 1909 das Kaiser-Friedrich-Gymnasium, danach studiert er Jura. 1927 macht er sich gemeinsam mit dem Rechtsanwalt Josef Keil selbständig. Vermutlich ist die Eintracht in der gemeinsamen Praxis oft das Hauptthema, denn die Inhaber sind begeisterte Eintrachtler. Beide sind zeitweise Abteilungsleiter der Leichtathletikabteilung, Josef Keil ist Schriftleiter der Vereinszeitung, Paul Blüthenthal unterstützt den Verein in juristischen Fragen, außerdem fördert er vor allem die Leichtathleten und die Fußballer.

Dr. Paul Blüthenthal, der jüdischen Glaubens ist, tritt im April 1933 aus dem Verein aus. Seine Abmeldung ist nicht überliefert. Aber eines der ganz wenigen Dokumente, die bei der Eintracht die Wirren des Zweiten Weltkriegs überlebt haben, ist ein Briefwechsel zwischen ihm und dem Vorstand der Leichtathletikabteilung aus dem gleichen Monat. In einem Brief vom 11. April 1933 drücken die Verantwortlichen gegenüber Blüthenthal ihr Bedauern aus, dass dieser „infolge der derzeitigen politischen Verhältnisse in unserem geliebten Vaterlande“ seinen Austritt erklärt. „Erscheint uns auch Ihr nun einmal getroffener Entschluss für die derzeitige Lage als das einzig Richtige, so werden wir uns trotz alledem gestatten, Sie über die Vorgänge innerhalb der Leichtathletikabteilung stets auf dem Laufenden zu halten.“ In einem Brief vom 22. April bedankt sich Paul für die „mit Eurem Schreiben vom 11. April 1933 bewiesene Treue“ und antwortet: „Es ist mir in Zeiten schwerer seelischer Bedrängnis ein starker Trost zu wissen, dass äußere Schranken innere Verbundenheit nicht zu trennen vermögen.“ Im gleichen Monat wird Blüthenthal von der Anwaltskammer die Zulassung entzogen. Die mit Josef Keil gemeinsam betriebene Anwaltspraxis wird aufgelöst, Blüthenthal arbeitet fortan als Angestellter in der Frankfurter Schuhfabrik Pathos in der Mainzer Landstraße.

In der Pogromnacht am 9. November 1938 entgeht Dr. Blüthenthal seiner Verhaftung nur dadurch, dass er seine Auswanderungspapiere vorlegen kann. Unmittelbar nach diesem Schock macht sich Paul Blüthenthal gemeinsam mit seiner Frau und den drei Kindern auf die Flucht. Diese endet in Santiago de Chile. Paul Blüthenthal kann in der neuen Heimat in seinem erlernten Beruf nicht arbeiten, noch 1939 eröffnet er eine kleine Bandfabrik mit vier Webstühlen.
Während auch Pauls Bruder Ernst die Flucht aus Deutschland gelingt, scheitert die Auswanderung von Mutter Bertha. Im Juni 1942 erhält sie die Deportationsverfügung, noch vor der Deportation nimmt sie sich das Leben.

In der neuen Heimat interessiert sich Paul Blüthenthal weiterhin für Fußball. Er wird Fan vom Club Deportivo Magallanes, der 1942 in Chile Vizemeister wird. Im Familienkreis berichtet er immer wieder über seine Zeit bei der Eintracht und ist sehr gerührt, dass ihm seine alten Vereinskameraden bei der Flucht geholfen haben. Paul hält auch von der neuen Heimat aus den Kontakt zu alten Vereinskameraden.

Am 23. Januar 1947 verunglückt Dr. Paul Blüthenthal bei einem Geschäftstermin tödlich, er stürzt eine Treppe hinunter und erliegt kurze Zeit später seinen schweren Verletzungen. Als die Eintracht zwei Jahre später ihren 50. Geburtstag feiert, erinnern die Verantwortlichen in der Festschrift „50 Jahre Eintracht“ noch einmal an den einstigen Förderer: „In einem ganz anderen Stil ist Dr. Paul Blüthenthal unvergesslich geworden. Mit seinem klaren Verstand und seinem besänftigenden Wesen hat er dem Verein so manche Dienste geleistet, er war ein unermüdlicher Berater in der Stille.“


Am 17. Mai 2018 um 14.30 Uhr verlegt der Kölner Künstler Gunter Demnig direkt vor dem Eintracht-Museum in der Commerzbank-Arena einen Stolperstein für Dr. Paul Blüthenthal. Wir freuen uns über zahlreiche Besucher.

 

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